Filmabend: „Seefeuer“ in Hanau

Die jüngsten Ereignisse zeigen: Die Tragödien im Mittelmeer nehmen kein Ende. Von Januar bis Juli 2019 ertranken fast 700 Menschen bei ihrem Versuch, in überfüllten Schlauchbooten und seeuntüchtigen Kähnen von Afrika nach Europa zu flüchten.

Um zu verstehen, in welcher verzweifelten Lage sich diese Menschen befinden, muss man genau hinsehen – so wie der Regisseur Gianfranco Rosi, der ein Jahr lang Flüchtlinge auf der italienischen Insel Lampedusa beobachtete. Mit seinem preisgekrönten Dokumentarfilm „Seefeuer“ will er das Unglück greifbar machen, für das wir, wie Rosi sagt, „wir alle mitverantwortlich sind“.

Amnesty International zeigt am Freitag, den 06. September, um 19:30 Uhr den Film „Seefeuer“ in der Alten Johanneskirche. Die Amnesty-Gruppe Hanau lädt im Anschluss zum Gespräch über Seenotrettung und Migration ein.

Der Eintritt ist frei.

Bericht vom Abend:

Ein Appell an unsere Humanität

Am Freitagabend lud Amnesty International zum Filmabend mit „Seefeuer“ ein

Nach den jüngsten Tragödien im Mittelmeer hatte die Hanauer Amnesty-Gruppe beschlossen, den preisgekrönten Dokumentarfilm über die Flüchtlingskatastrophe im „Ellis“ (Alte Johanniskirche) zu zeigen. „Weil wir uns nicht daran gewöhnen dürfen, dass täglich Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken.“, erklären sie. Erinnern wollen sie mit den Bildern, die Gianfranco Rosi während seines einjährigen Aufenthalts auf der italienischen Insel Lampedusa gedreht hat.

Der Film erzählt von dem 12-jährigen Samuele und anderen Inselbewohnern. Er zeigt überfüllte Boote und verzweifelte Menschen, die auf Rettung hoffen, Männer, Frauen, Kinder, dehydriert, völlig erschöpft, manche tot. Und er zeigt die Leute von der Küstenwache, die die Notrufe auffangen, die Boote mit Hubschraubern suchen, die Überlebenden retten und die Toten bergen. Rosi lässt auch den Arzt Pietro Bartolo erzählen, der sie untersucht und behandelt. „Ich habe die Gesichter jedes Einzelnen gesehen, jede Leiche berührt“, sagt er und appelliert: „Jeder Mensch, der sich so nennt, muss diesen Menschen helfen.“

Es sind die Einzelnen, die die Zuschauer packen, der offene Blick in die Gesichter. Die Aufnahmen machen es möglich, selbst genau hinzusehen. Nein, sie zwingen dazu.

Nach dem Film zunächst Stille. Dann aber entwickeln sich persönliche Gespräche zwischen den kleinen Gruppen, in denen die Gäste mehr oder weniger zufällig sitzen. Man spürt, wie berührt die Menschen sind. Und jeder weiß, dass es hier keiner großen Worte bedarf, sondern Gesten der Menschlichkeit.